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Zellulose Einblasdämmung: Was ist das, wie funktioniert sie und für wen lohnt sie sich?
Zellulose ist einer der beliebtesten und bewährtesten Einblasdämmstoffe überhaupt – ökologisch, leistungsfähig und in vielen Anwendungsbereichen kaum zu übertreffen. Aber was steckt eigentlich hinter dem Begriff? Dieser Ratgeber erklärt alles Wichtige: Herstellung, Eigenschaften, Einsatzbereiche und worauf Sie beim Kauf achten sollten.
1. Was ist Zellulose-Dämmstoff?
Zellulose-Einblasdämmung ist ein natürlicher Dämmstoff, der zu etwa 90 % aus Papier besteht. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme stammt das Material überwiegend nicht aus Altpapiersammlungen, sondern aus Resten der Druckerei- und Papierindustrie – einem hochwertigen Rohstoff der sonst als Abfallprodukt anfallen würde. Das macht Zellulose zu einem der nachhaltigsten Dämmstoffe auf dem Markt.
Das Papiermaterial wird zerkleinert, aufgefasert und mit mineralischen Salzen – in der Regel Borsalzen – behandelt. Diese verleihen dem Dämmstoff seine wichtigen Zusatzeigenschaften: Flammhemmung, Schutz vor Schimmel und Schutz vor Schädlingen wie Mäusen oder Insekten.
Das Ergebnis ist ein lockeres, faseriges Granulat das sich hervorragend maschinell in Hohlräume einblasen lässt – und sich dabei lückenlos an jede Form und jeden Winkel anpasst.
2. Wie wird Zellulosedämmung hergestellt?
Die Herstellung von Zellulosedämmung ist ein vergleichsweise energiearmes Verfahren – einer der Gründe warum Zellulose eine besonders gute Ökobilanz hat.
- Altpapier wird gesammelt, sortiert und grob zerkleinert
- In speziellen Mühlen wird das Papier zu feinen Fasern aufgelöst
- Mineralische Borsalze werden gleichmäßig eingemischt – für Brandschutz, Schimmel- und Schädlingsschutz
- Das fertige Produkt wird zu lockerem Granulat verarbeitet und in Säcke abgefüllt
- Der gesamte Prozess benötigt deutlich weniger Energie als die Herstellung von Mineralwolle oder EPS
3. Technische Eigenschaften im Überblick
| Eigenschaft | Wert / Bewertung | Bedeutung in der Praxis |
|---|---|---|
| Wärmeleitfähigkeit (λ) | ca. 0,038–0,040 W/(m·K) | Sehr guter Wärmeschutz im Winter |
| Wärmespeicherkapazität | Sehr hoch | Hervorragender Hitzeschutz im Sommer |
| Diffusionsoffenheit | Ja – µ-Wert ca. 1–2 | Feuchteregulierend, atmungsaktiv |
| Brandverhalten | Normal entflammbar – nicht brennbar | Mit Zellulose lassen sich Konstruktionen bis Brandschutzklasse F 90 realisieren |
| Schallschutz | Gut | Reduziert Trittschall und Luftschall |
| Rohdichte eingeblasen | ca. 25–65 kg/m³ je nach Anwendung | Setzungssicher bei korrekter Einblasrohdichte |
| Feuchtebeständigkeit | Gut – kann Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben | Puffert Raumfeuchtigkeit, trocknet wieder aus |
| Ökobilanz | Sehr gut | Recyclingmaterial, geringer Herstellungsaufwand |
4. Vorteile der Zellulosedämmung
Zellulose vereint Eigenschaften, die kein anderer Dämmstoff in dieser Kombination bietet:
- Lückenlose Dämmung: Das lockere Fasermaterial passt sich jedem Hohlraum an – keine Fugen, keine Wärmebrücken
- Hervorragender Hitzeschutz: Die hohe Wärmespeicherkapazität verzögert das Aufheizen der Räume im Sommer deutlich
- Feuchteregulierend: Zellulose kann Raumfeuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben ohne zu schimmeln – das verbessert das Raumklima
- Ökologisch: Recyclingmaterial, geringe graue Energie, nachwachsender Rohstoff
- Schallschutz: Die dichte Faserstruktur schluckt Schall effektiv – besser als viele andere Einblasdämmstoffe
- Wirtschaftlich: Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis – günstigerer Materialpreis als Holzfaser bei vergleichbaren Eigenschaften
- Schnelle Verarbeitung: Große Flächen lassen sich mit moderner Einblastechnik sehr schnell dämmen
- Schädlingsschutz: Die enthaltenen Borsalze schrecken Mäuse, Insekten und Schimmel ab
5. Wo lässt sich Zellulose einsetzen?
Zellulose-Einblasdämmung ist ein ausgesprochen vielseitiger Dämmstoff. Die wichtigsten Einsatzbereiche:
Dachbodendämmung
Offen aufgeblasen auf die oberste Geschossdecke – die günstigste und schnellste Anwendung. Große Flächen in kurzer Zeit, hervorragender Hitzeschutz im Sommer.
Zwischensparrendämmung
Eingeblasen in die Sparrenfelder des Steildachs. Lückenlose Füllung auch in schwierigen Geometrien – kein Verschnitt wie bei Platten.
Wanddämmung / Ständerwände
Eingeblasen in Holzrahmenkonstruktionen und Ständerwände. Diffusionsoffen und feuchteregulierend – ideal für Holzbaukonstruktionen.
Geschossdecke / Holzbalkendecke
Eingeblasen in die Hohlräume alter Holzbalkendecken. Verbessert Wärme- und Schallschutz zwischen den Geschossen gleichzeitig.
Fußbodenschüttung
Als Schüttdämmung offen auf den Dachboden oder in Fußbodenkonstruktionen eingebracht – auch zum Selbstverarbeiten erhältlich.
Sanierung im Bestand
Besonders geeignet für nachträgliche Sanierungen – keine Demontage nötig, Einblasen über kleine Öffnungen möglich.
6. Wie wird Zellulose verarbeitet?
Die Verarbeitung von Zellulose-Einblasdämmung erfolgt mit speziellen Einblasmaschinen. Das Prinzip ist einfach: Der Dämmstoff wird aus dem Sack in die Maschine gegeben, dort aufgelockert und über einen Schlauch in den Hohlraum geblasen.
Dabei sind zwei grundsätzliche Methoden zu unterscheiden:
| Methode | Anwendung | Besonderheit |
|---|---|---|
| Einblasen in geschlossene Hohlräume | Sparrenfelder, Ständerwände, Holzbalkendecken | Einblasöffnungen werden gebohrt und nach der Ausführung wieder verschlossen |
| Offen aufblasen | Dachbodendecke, zugängliche Flächen | Dämmstoff wird direkt auf die Fläche aufgeblasen – schnell und günstig |
7. Zellulose vs. andere Dämmstoffe
Wie schlägt sich Zellulose im Vergleich zu den gängigsten Alternativen?
| Eigenschaft | Zellulose | Mineralfaser | EPS-Granulat | Holzfaser |
|---|---|---|---|---|
| Wärmedämmung | Sehr gut | Sehr gut | Sehr gut | Gut |
| Hitzeschutz Sommer | Sehr gut | Befriedigend | Gering | Hervorragend |
| Brandschutz | Normal entflammbar, bis F 90 möglich | Nichtbrennbar (A1) | Brennbar (B2) | Schwer entflammbar |
| Schallschutz | Gut | Gut | Befriedigend | Gut |
| Diffusionsoffenheit | Ja | Ja | Nein | Ja |
| Ökobilanz | Sehr gut | Gut | Befriedigend | Sehr gut |
| Materialpreis | Günstig | Mittel | Günstig | Höher |
8. Förderung für Zellulosedämmung
Zellulosedämmung ist als anerkannter Dämmstoff im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) grundsätzlich förderbar – sofern die technischen Mindestanforderungen erfüllt werden.
| Förderweg | Förderhöhe | Besonderheit |
|---|---|---|
| BEG Einzelmaßnahmen (BAFA) | Bis zu 20 % Zuschuss | Antrag vor Beginn der Maßnahme zwingend erforderlich |
| Steuerbonus § 35c EStG | 20 % über 3 Jahre | Kein Vorantrag – Geltendmachung über Steuererklärung |
9. Häufige Fragen zur Zellulosedämmung
Ist Zellulosedämmung wirklich aus Zeitungspapier?
Ja – zu etwa 85 %. Das Ausgangsmaterial ist überwiegend Altpapier aus Zeitungen und anderen Papierprodukten. Dieses wird zerkleinert, aufgefasert und mit Borsalzen veredelt. Das Endprodukt hat mit dem ursprünglichen Zeitungspapier optisch kaum noch Ähnlichkeit – es ist ein lockeres, graues Fasermaterial.
Ist Zellulosedämmung feuergefährlich?
Nein. Zellulosedämmung ist normal entflammbar – aber nicht brennbar. Durch die Behandlung mit Borsalzen erlischt sie, wenn die Flamme entfernt wird. Ein entscheidender Vorteil: Mit Zellulosedämmung lassen sich Dach-, Wand- und Deckenaufbauten bis zur Brandschutzklasse F 90 problemlos realisieren – damit erfüllt sie auch hohe Brandschutzanforderungen.
Kann Zellulosedämmung schimmeln?
Bei fachgerechter Ausführung und intakter Konstruktion nein. Die enthaltenen Borsalze wirken schimmelresistent. Zellulose kann zudem Raumfeuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben – das reguliert das Raumklima und verhindert Feuchtekonzentrationen. Voraussetzung ist eine fachgerecht ausgeführte Luftdichtheitsebene.
Setzt sich Zellulosedämmung mit der Zeit?
Bei korrekter Einblasrohdichte nein. Zellulose muss mit der richtigen Rohdichte eingeblasen werden – zu wenig Material führt zu Setzungen, zu viel belastet die Konstruktion. Erfahrene Fachbetriebe prüfen und dokumentieren die Einblasrohdichte während der Ausführung.
Wie lange hält Zellulosedämmung?
Zellulosedämmung ist ein dauerhafter Dämmstoff mit einer Nutzungsdauer von mehreren Jahrzehnten – bei fachgerechter Ausführung und intakter Konstruktion kann sie die gesamte Lebensdauer des Gebäudes überdauern. Alterungsbeständige Dämmstoffe wie Zellulose verändern ihre Dämmeigenschaften über die Zeit kaum.
Kann ich Zellulosedämmung selbst verarbeiten?
Die Fußbodenschüttung auf zugänglichen Dachböden lässt sich prinzipiell selbst verarbeiten – sie wird einfach offen aufgebracht und gleichmäßig verteilt. Für das maschinelle Einblasen in geschlossene Hohlräume ist jedoch spezielles Equipment und Erfahrung erforderlich. Wer die Förderung nutzen möchte, muss außerdem einen zugelassenen Fachbetrieb beauftragen.
Was kostet Zellulosedämmung pro m²?
Der Materialpreis von Zellulose ist im Vergleich zu anderen Naturdämmstoffen sehr günstig. Die Gesamtkosten je Quadratmeter hängen vom Bauteil, der erforderlichen Dämmstärke und dem Ausführungsaufwand ab. Für ein konkretes Angebot besichtigen wir Ihr Gebäude kostenlos vor Ort.
Fazit: Zellulose – der vielseitigste Einblasdämmstoff
Zellulose-Einblasdämmung überzeugt durch eine einzigartige Kombination aus Wärmedämmung, Hitzeschutz, Feuchteregulierung, Schallschutz und Ökologie. Als Recyclingprodukt hat sie eine hervorragende Ökobilanz – und als bewährter Einblasdämmstoff passt sie sich lückenlos an jeden Hohlraum an.
Ob Dachbodendämmung, Zwischensparrendämmung oder Wanddämmung im Holzrahmenbau – Zellulose ist in vielen Anwendungen die erste Wahl. Da mit Zellulose Konstruktionen bis Brandschutzklasse F 90 realisierbar sind, eignet sie sich auch für anspruchsvolle Brandschutzanforderungen. Für maximalen sommerlichen Hitzeschutz ist Holzfaser eine starke Alternative.
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