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Ratgeber · Kerndämmung · Altbau · Zweischaliges Mauerwerk

Kerndämmung im Altbau: Zweischaliges Mauerwerk nachträglich dämmen – so geht es richtig

Viele Altbauten aus den 1950er bis 1980er Jahren haben ein gut gehütetes Geheimnis: Zwischen der tragenden Innenschale und der äußeren Vormauerschale verbirgt sich ein ungefüllter Luftspalt – und damit enormes Energieeinsparpotenzial. Die nachträgliche Kerndämmung füllt diesen Hohlraum mit geeignetem Dämmstoff – ohne Gerüst, ohne Putzarbeiten, oft in einem einzigen Arbeitstag.

1 Tag
Typische Ausführungszeit EFH
0
Gerüste erforderlich
20 %
Förderung über BEG möglich
100 %
Fassade bleibt erhalten

1. Was ist eine Kerndämmung?

Die Kerndämmung – auch Hohlschichtdämmung oder Einblasdämmung der Außenwand genannt – ist eine Methode zur nachträglichen Dämmung von zweischaligem Mauerwerk. Dabei wird der Luftspalt zwischen der tragenden Innenschale und der äußeren Vormauerschale vollständig mit einem geeigneten Einblasdämmstoff verfüllt.

Der Dämmstoff wird über kleine Bohröffnungen maschinell in die Hohlschicht eingeblasen. Anschließend werden die Bohrlöcher passend zum vorhandenen Mauerwerk verschlossen – bei Klinkerfassaden nahezu unsichtbar.

Kurzdefinition: Kerndämmung = Verfüllen der Hohlschicht im zweischaligen Mauerwerk mit einem einblasbaren Dämmstoff – ohne Veränderung der Fassadenoptik, ohne Gerüst, meist in einem Arbeitstag.

2. Welche Altbauten eignen sich für eine Kerndämmung?

Nicht jeder Altbau hat zweischaliges Mauerwerk. Ob eine Kerndämmung möglich ist, hängt entscheidend vom Wandaufbau ab. Grundsätzlich geeignet sind Gebäude mit einem durchgängigen, ausreichend breiten Luftspalt zwischen Innen- und Außenschale.

Gebäudetyp / BaujahrWandaufbauKerndämmung möglich?
Einfamilienhäuser 1950–1980Häufig zweischalig mit LuftspaltJa – sehr häufig geeignet
Reihenhäuser 1960–1980Oft zweischalig mit Klinkervor­mauerungJa – häufig geeignet
Mehrfamilienhäuser 1950–1980Teils zweischalig, teils einschaligPrüfung erforderlich
Gründerzeitgebäude vor 1918Meist massives VollziegelmauerwerkIn der Regel nicht geeignet
Neubauten ab 1990Oft bereits gedämmt oder einschaligPrüfung erforderlich
Typische Erkennungsmerkmale: Gebäude mit sichtbarer Klinkerfassade oder Putzfassade aus der Nachkriegszeit haben sehr häufig zweischaliges Mauerwerk. Die genaue Prüfung erfolgt per Endoskop – wir übernehmen das kostenlos im Rahmen der Erstbesichtigung.

3. Voraussetzungen vor der Ausführung

Bevor eine Kerndämmung ausgeführt werden kann, muss das Gebäude sorgfältig geprüft werden. Eine fachgerechte Voruntersuchung ist keine Option – sie ist Pflicht.

  • Hohlraumbreite ausreichend – in der Regel mindestens 3–4 cm je nach Dämmstoff
  • Hohlraum möglichst durchgängig und frei von Hindernissen oder Mörtelbrücken
  • Außenfassade intakt – keine größeren Risse, offene Fugen oder Feuchteeinträge
  • Keine dauerhafte Durchfeuchtung der Außenwand
  • Vorhandene Feuchtigkeitsschäden müssen vor der Dämmung behoben sein
  • Standsichere Vormauerschale – geeignete Mauerwerksanker vorhanden
  • Keine unkontrollierten Öffnungen zu Dachraum, Keller oder Rollladenkästen
  • Zugelassener Dämmstoff mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung für die Kerndämmung
Wichtig: Eine Kerndämmung ist keine Lösung für feuchte Wände. Vorhandene Feuchtigkeitsprobleme – ob durch Schlagregen, aufsteigende Feuchte oder undichte Fugen – müssen vor der Dämmung an der Ursache behoben werden. Andernfalls werden bestehende Schäden im Bauteil eingeschlossen.

4. EPS-Granulat oder Steinwollegranulat – welcher Dämmstoff ist der richtige?

Für die Kerndämmung im Altbau kommen vor allem zwei Dämmstofftypen zum Einsatz. Die Wahl hängt vom Gebäude, den baulichen Anforderungen und dem Hohlraumaufbau ab.

EPS-Granulat

Expandiertes Polystyrol in Granulatform. Sehr leicht, hervorragende Rieselfähigkeit, wirtschaftlich. Ideal für klassische Kerndämmungen ohne erhöhte Brandschutzanforderungen. Besonders gut geeignet bei schmalen oder verwinkelten Hohlräumen.

Steinwollegranulat

Mineralischer Dämmstoff, nichtbrennbar (Klasse A1). Sehr guter Brandschutz und Schallschutz. Ideal für Mehrfamilienhäuser, Reihenhäuser oder Gebäude mit erhöhten Brandschutzanforderungen.

EigenschaftEPS-GranulatSteinwollegranulat
WärmedämmungSehr gutSehr gut
BrandschutzBrennbar (B2)Nichtbrennbar (A1)
SchallschutzBefriedigendGut
RieselfähigkeitSehr gutGut
GewichtSehr leichtEtwas schwerer
DiffusionsoffenheitGeringJa
WirtschaftlichkeitBesonders günstigEtwas höherer Preis

5. Ablauf einer Kerndämmung im Altbau – Schritt für Schritt

1

Kostenfreie Besichtigung und Beratung

Wir besichtigen Ihr Gebäude, prüfen Fassadenzustand, Fugen und erste Hinweise auf den Wandaufbau.

2

Endoskopische Prüfung der Hohlschicht

An mehreren Stellen wird die Hohlschicht endoskopisch untersucht – Breite, Durchgängigkeit und Hindernisfreiheit werden geprüft. Das ist die Grundlage für eine seriöse Aussage zur Machbarkeit.

3

Angebot und Materialauswahl

Auf Basis der Prüfung wird der passende Dämmstoff festgelegt und ein transparentes Angebot erstellt.

4

Setzen der Einblasöffnungen

Die Bohröffnungen werden so im Fugenbild angeordnet, dass der Dämmstoff die gesamte Hohlschicht gleichmäßig erreicht.

5

Maschinelles Einblasen des Dämmstoffs

Der Dämmstoff wird mit spezieller Einblastechnik gleichmäßig in die Hohlschicht eingebracht – bis zur vollständigen, setzungssicheren Füllung.

6

Verschließen der Bohrlöcher

Die Einblasöffnungen werden passend zum vorhandenen Fugenbild verschlossen – bei Klinkerfassaden nahezu unsichtbar.

6. Feuchtigkeit und Kerndämmung – was Sie wissen müssen

Die häufigste Sorge bei der Kerndämmung: Entsteht durch die Dämmung Feuchtigkeit in der Wand? Bei fachgerechter Planung und Ausführung ist die Antwort klar: Nein – wenn die Voraussetzungen stimmen.

Entscheidend sind drei Punkte:

  • Der eingesetzte Dämmstoff muss wasserabweisend ausgerüstet und bauaufsichtlich für die Kerndämmung zugelassen sein
  • Die äußere Mauerschale muss intakt sein – dichte Fugen, keine Risse, kein Schlagregeneinfall
  • Vorhandene Feuchteschäden müssen vor der Dämmmaßnahme an der Ursache behoben werden
Positiver Nebeneffekt: Durch die Kerndämmung steigen die Temperaturen an der Wandinnenseite an. Das reduziert das Risiko von Tauwasserbildung an der Wand – und damit auch die Schimmelgefahr im Innenbereich.

7. Vorteile der Kerndämmung gegenüber anderen Dämmmethoden

Im Vergleich zu einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) oder einer Innendämmung bietet die Kerndämmung im Altbau entscheidende Vorteile:

  • Kein Gerüst erforderlich – erheblich günstigere Gesamtkosten
  • Fassadenoptik bleibt vollständig erhalten – ideal für Klinkerfassaden und Denkmalschutz
  • Kein Wohnflächenverlust durch Innendämmung
  • Schnelle Ausführung – oft in einem Arbeitstag abgeschlossen
  • Fugenlose Dämmung der gesamten Außenwandfläche
  • Höhere innere Wandoberflächentemperaturen – mehr Behaglichkeit
  • Deutliche Reduzierung der Heizkosten ab der ersten Heizsaison
  • Verbesserung der Energieeffizienzklasse des Gebäudes

8. Was kostet eine Kerndämmung im Altbau?

Die Kosten einer Kerndämmung hängen von mehreren Faktoren ab: Fläche der Außenwand, gewählter Dämmstoff, Hohlraumbreite, Zugänglichkeit und regionalen Gegebenheiten. Pauschalpreise ohne Vorortbesichtigung sind daher nicht seriös.

Als grobe Orientierung gilt: Die Kerndämmung ist in der Regel deutlich günstiger als ein vergleichbares Wärmedämmverbundsystem – vor allem weil kein Gerüst, keine Putzarbeiten und kein Material für eine aufwendige Fassadenbekleidung anfallen.

  • Größere Flächen sind günstiger pro Quadratmeter als kleine Teilflächen
  • EPS-Granulat ist kostengünstiger als Steinwollegranulat
  • Vorarbeiten (Fugensanierung, Fassadenhydrophobierung) erhöhen die Gesamtkosten
  • Förderung reduziert die Nettokosten um bis zu 20 %

9. Förderung für die Kerndämmung im Altbau

Die Kerndämmung ist eine anerkannte Einzelmaßnahme im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und damit grundsätzlich förderbar.

FörderwegFörderhöheBesonderheit
BEG Einzelmaßnahmen (BAFA)Bis zu 20 % ZuschussAntrag zwingend vor Beginn der Maßnahme
Steuerbonus § 35c EStG20 % über 3 JahreKein Vorantrag – über Steuererklärung
Wichtig: Beide Förderwege können nicht für dieselbe Maßnahme kombiniert werden. Der BAFA-Antrag muss vor Beginn der Arbeiten gestellt sein. Als Fachbetrieb stellen wir die erforderliche Fachunternehmerbescheinigung nach Abschluss der Maßnahme aus.

10. Häufige Fragen zur Kerndämmung im Altbau

Wie erkenne ich ob mein Haus zweischaliges Mauerwerk hat?

Typische Hinweise sind eine sichtbare Klinkerfassade, eine auffallend dicke Außenwand (oft 36–45 cm) und ein Baujahr zwischen 1950 und 1985. Die sichere Feststellung erfolgt nur durch eine endoskopische Prüfung – wir führen diese kostenlos im Rahmen der Erstbesichtigung durch.

Verändert die Kerndämmung das Aussehen meiner Fassade?

Nein. Die Bohröffnungen werden nach dem Einblasen passend zum vorhandenen Fugenbild verschlossen. Bei Klinkerfassaden sind die Eingriffsspuren bei sachgerechter Ausführung kaum sichtbar. Die Fassadenoptik bleibt vollständig erhalten.

Kann durch die Kerndämmung Schimmel entstehen?

Bei fachgerechter Ausführung und intakter Fassade nein – im Gegenteil. Durch die Kerndämmung steigen die inneren Wandoberflächentemperaturen, was das Risiko von Tauwasserbildung und Schimmel reduziert. Voraussetzung ist, dass keine Vorab-Feuchtigkeitsschäden vorhanden sind.

Wie breit muss die Hohlschicht mindestens sein?

Je nach Dämmstoff und Herstellerangaben sollte die Hohlschicht mindestens 3–4 cm breit und möglichst durchgängig sein. Die genaue Mindestbreite wird per Endoskop vor Ort geprüft.

Was passiert wenn der Hohlraum Hindernisse enthält?

Mörtelreste, Bauschutt oder Querverstrebungen im Hohlraum können die gleichmäßige Füllung beeinträchtigen. In solchen Fällen prüfen wir, ob einzelne Bereiche durch zusätzliche Einblasöffnungen erreichbar sind, oder ob Teilbereiche nicht gedämmt werden können. Das wird transparent im Angebot kommuniziert.

Muss ich vor der Kerndämmung die Fugen sanieren?

Wenn Fugen beschädigt, offen oder stark verwittert sind – ja. Schadhafte Fugen ermöglichen das Eindringen von Schlagregen in die Konstruktion. Eine Fugensanierung vor der Kerndämmung ist dann zwingend erforderlich und schützt die Dämmmaßnahme dauerhaft.

Eignet sich die Kerndämmung auch für denkmalgeschützte Gebäude?

Die Kerndämmung verändert das äußere Erscheinungsbild eines Gebäudes nicht – das macht sie zu einer der wenigen Dämmmethoden, die auch bei denkmalgeschützten Fassaden grundsätzlich in Frage kommt. Ob eine Genehmigung der Denkmalschutzbehörde erforderlich ist, sollte im Einzelfall vorab geklärt werden.

Fazit: Kerndämmung im Altbau – wirtschaftlich, schnell und fassadenschonend

Die nachträgliche Kerndämmung ist für Altbauten mit zweischaligem Mauerwerk eine der attraktivsten energetischen Sanierungsmaßnahmen: Der bauliche Eingriff ist minimal, die Fassade bleibt vollständig erhalten, kein Gerüst ist erforderlich und die Maßnahme ist oft an einem einzigen Arbeitstag abgeschlossen.

Entscheidend für den Erfolg sind die fachgerechte Voruntersuchung per Endoskop, die Wahl des richtigen Dämmstoffs und die sorgfältige Ausführung durch einen erfahrenen Fachbetrieb. Mit Förderung über BAFA oder dem Steuerbonus nach § 35c EStG lässt sich die Investition um bis zu 20 % reduzieren.

Kostenlose Beratung und Angebot anfordern

Sie möchten wissen, ob Ihr Altbau für eine Kerndämmung geeignet ist? Wir prüfen das kostenlos vor Ort – inklusive endoskopischer Hohlraumprüfung und transparentem Angebot.

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